Classics Lab

Prof. Dr. Gyburg Uhlmann

Es gibt keine Innovation ohne geschichtliches Wissen. Denn nur so gewinnen wir die konzeptionelle Offenheit und konkrete Denkimpulse aus der Geschichte, die uns in die Lage versetzen, ohne Begrenzungen differenzierter zu erkennen und neue Konzepte und Technologien zu entwickeln.  Die Klassische Antike ist wie andere historische Epochen und Kulturen eine wichtige Wissensressource. Deshalb bildet das Classics Lab einen ersten Nukleus für die neue Interdisziplinarität an der UTN.

Team Classics Lab

Iuliia Burtceva

Doctoral Researcher

Dr. Eleni Pappa

Postdoctoral Researcher

Dr. Tobias Hirsch

Postdoctoral Researcher

Die Forschungsschwerpunkte des Classic Labs liegen derzeit
auf den folgenden beiden Themen:

Artes liberales und die Mathematik als Kernfach einer freien Bildung

Wir untersuchen die erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Artes liberales in der Antike und Spätantike. Außerdem erforschen wir die Wirkungen und Angebote dieses Bildungskonzepts für unsere Gegenwart, das als erfolgreichstes der europäischen und arabischen Geschichte gilt.:  Dabei geht es auch um die Begründung von Wissenschaft und ihrer gesellschaftlichen Relevanz, die Mathematik als Brücke zwischen Natur- und Geisteswissenschaften sowie das Verhältnis von Grundlagenwissen und angewandtem Wissen, aber auch ganz allgemein darum, was Bildung ist und welche Funktion und welch großen Einfluss sie in einer Gesellschaft hat.

Rhetorik und Philosophie: rational begründete Erkenntnis, Meinungsbildung
und politische Kommunikation in Krisenzeiten

Die Antike hat nicht nur verschiedene Philosophien hervorgebracht, sondern auch unterschiedliche Rhetorik-Konzepte. Rhetorik ist dabei mehr als die Kunst, einer bestimmten Meinung zum Sieg zu verhelfen und Manipulationstechnik: Sie ist die Technik, das, was wirklich an einem Sachverhalt überzeugend ist, zu erkennen und anderen zu vermitteln. Rhetorik hat also zuallererst etwas mit Erkenntnis und Begründung der eigenen Meinungen zu tun. Aristoteles nennt sie die Schwester der Dialektik. Wir untersuchen diese unterschiedlichen Zugriffe auf Erkenntnis, Meinung und Kommunikation. Darüber hinaus fragen wir, welche Argumentationstechniken und welche konkreten Argumente heute in politischen und anderen gesellschaftlichen Kontexten angewendet werden können, um eine reflektierte Rhetorik und ein Reden zu ermöglichen, das nicht manipuliert, sondern Erkenntnis stiftet. Ziel sind Analysen und konkrete Anleitungen für eine Dialog- und Diskussionskultur in gesellschaftlichen Krisenzeiten, die auf Konsens und rationale Begründungen zielt.

Aktuelle Forschungs- und Buchprojekte

SFB 980 Episteme in Bewegung

Das exklusive Scholiencorpus zu Aristoteles im Codex Parisinus graecus 1853 (E): erste kritische Gesamtausgabe

Homologia – konsensorientierte Praktiken im antiken Griechenland (Buchprojekt, Gyburg Uhlmann)

Platons Laches oder Wiederholung als kulturelle Praxis (Buchprojekt, Gyburg Uhlmann)

Dissertation: Die Briefe des Isokrates. Netzwerkbildung im vierten Jahrhundert v. Chr.

Habilitationsprojekt: Memorablia. Anekdotisches Erzählen und moralische Instruktion in der kaiserzeitlichen Literatur

Publikationen (Auswahl)

Publikationen

     

  • Scheitern in den Sokratischen Dialogen Platons , in: Zeitschrift für Kulturphilosophie 2/2023, 71-94.
  • (im Druck) Erziehung und Vernunft: Herakles am Scheideweg bei Händel und in der Antike, in: Göttinger Händel-Beiträge, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 7–26 (erscheint im April 2024).
  • (im Druck) Scheitern in den Sokratischen Dialogen Platons, in: Zeitschrift für Kulturphilosophie (erscheint im Mai 2024).
  • (im Druck) Dasselbe Odyssee-Zitat in Platons Dialogen Laches und Charmides. Wiederholung und Erkenntnis, in: Logbuch Wissensgeschichte, Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 51–74 (erscheint im Juni 2024).
  • (im Druck) Göttliche Figuren und die mathematischen Inhalte der Vernunfterkenntnis, in: Malte Dominik Krüger (Hg.), Gottesgedanke und Selbsterkenntnis. Argumente für einen rechenschaftsfähigen Glauben an Gott. Festschrift zum 80. Geburtstag von Arbogast Schmitt, Hannover: der blaue reiter (erscheint in 2024).
  • Das Lächeln des Parmenides – Proklos’ Interpretationen zur Platonischen Dialogform,
    Berlin: De Gruyter (Untersuchungen zur antiken Literatur und Geschichte (UaLG) 78) 2006 (594 Seiten)
  • Die Kindheit des Mythos – die Erfindung der Literaturgeschichte in der Antike,
    München: C.H. Beck 2007 (366 Seiten) [Analysen zur hellenistischen Dichtung und ihrer Theorie und Praxis der Literaturgeschichtsschreibung]
  • Rhetorik und Wahrheit: Ein prekäres Verhältnis von Sokrates bis Trump,
    Stuttgart: J.B. Metzler 2019 (329 Seiten)
  • Rhetorik und Fakten – Mit klassischer und politischer Bildung gegen populistische Strategien,
    in: Forschung und Lehre 10/2019, 902-904 (online abrufbar unter der Überschrift „Rhetorik kann täuschen – oder aufklären“)
  • Were Platonic Dialogues Read in Late Antique School Lessons on Aristotelian Logic? On Ancient Commentators on Aristotle andTheir Teaching Practices,
    in: Working Paper des SFB 980 Episteme in Bewegung,Working Paper No. 20/2019, 1-22
  • Kitschige Bildungsfragmente und die Erzählung vom unabhängigen Geist der Deutschen – wie rechte Rhetorik auch im bildungsbürgerlichen Gewand emotionalisieren und manipulieren kann,
    in: Politikum 1/2020
  • Die rhetorischen Strategien von @realDonaldTrump und die Verweigerung diskursiver Argumentation, in: Lars Koch, Tobias Nanz, Christina Rogers (Hgg.), The Great Disruptor. Über Trump, die Medien und die Politik der Herabsetzung, Berlin/Heidelberg: J. B. Metzler 2023, 205–229.
  • „Programmatische Anfangssätze in Aristotelischen Pragmatien und ihre Auslegung durch die spätantiken Kommentatoren.“ Aristoteles-Kommentare und ihre Überlieferung: Wichtige Etappen von der Antike bis in die frühe Neuzeit, edited by Christian Brockmann, Daniel Deckers and Stefano Valente, Berlin, Boston: De Gruyter, 2024, pp. 163-190.[im Erscheinen]
  • „Erziehung und Vernunft. Herakles am Scheideweg bei Händel und in der Antike“.
    Göttinger Händel-Beiträge, Bd. 25, Vandenhoeck & Ruprecht, 1. Auflage, 2024 [im Erscheinen]
  • Homologia. Konsensbildung in der Antike – mit Überlegungen für die Gegenwart [Buchprojekt in Vorbereitung]